ENTHÜLLT: BND beschaffte bereits in 90ern Nowitschok

Im März wurde im britischen Salisbury auf den russischen Doppelagenten und seine Tochter ein Giftanschlag verübt. Dabei soll das Nervengift Nowitschok verwendet worden sein. Wie jetzt herauskam, hat auch die Bundesrepublik in den 1990er Jahren Proben des chemischen Kampfstoffes Nowitschok in einer geheimen Operation beschafft. Was damit gemacht wurde und wo die Giftproben heute sind, ist allerdings unklar.

Fall Skripal erhält brisante Wendung

Angeblich rätseln Ermittler seit zwei Monaten, wer Skripal und seine Tochter vergiftet hat. Weil das Nervengift einst auch in der Sowjetunion hergestellt wurde, richteten sich die Vorwürfe von Großbritannien und der EU, ohne jegliche Beweise zu haben, gegen Russland. Die Süddeutsche Zeitung sowie NDR und WDR haben anscheinend herausgefunden, dass auch Deutschland Proben des Giftes hatte. Damit erhält die Affäre um den Einsatz des Nervengifts Nowitschok bei der versuchten Vergiftung Skripals eine neue, brisante Wendung.

Der deutsche Auslandsgeheimdienst BND soll durch einen Überläufer aus Russland an den chemischen Kampfstoff gekommen sein. Auch die Bundeswehr sei damals eingebunden gewesen, berichten die Medien. Ein russischer Wissenschaftler soll dem deutschen Auslandsgeheimdienst als Information gedient haben und später tatsächlich Problem des Gifts unter strengster Geheimhaltung nach Deutschland geschmuggelt haben.

Bundesregierung und BND schweigen

Genauere Informationen konnten von der Bundesregierung allerdings zu bekommen sein. Die Regierung erklärte, dass sie zu „nachrichtlichen Angelegenheiten grundsätzlich nur den geheim tagenden Gremien des Deutschen Bundestages Informationen herausgebe“. Die damalige „BND-Operation“ soll angeblich damals in der Bundesregierung umstritten gewesen sein: „Man wollte auf keinen Fall den Eindruck erwecken, dass man an Chemiewaffen interessiert sei“. Dennoch war die Operation für den BND ein großer Erfolg. Denn damals galten die militärischen Fähigkeiten Russlands für westliche Geheimdienste als sehr erstrebenswertes Know-How.

Russland weist bislang alle Vorwürfe zurück, für den Giftanschlag an Skripal verantwortlich zu sein, denn das Gift hätte leicht in vielen, auch westlichen Ländern hergestellt werden können. So hatte jüngst Tschechiens Präsident Zeman zugegeben, dass auch sein Land noch vor wenigen Monaten mit Nowitschok experimentierte. Diese neuen Details werfen viele Fragen auf, denn der Westen beschuldigt Russland, das Attentat begangen zu haben. Verdächtige sollen noch immer nicht identifiziert worden sein. Dies könnte mit den neusten Erkenntnissen über die geheime BND-Operation zusammenhängen.

„Soll“ kein Verdächtiger gefunden werden?

Die Verschlossenheit zu dem Fall geht vermutlich auf die in den 1990er Jahren von den Deutschen geheim beschaffte Probe des Nervengiftes zurück. Bundeskanzler Kohl soll damals nach einer ersten Analyse des Stoffes in einem schwedischen Labor entschieden haben, das Wissen um die hochgefährliche Chemiewaffe mit den engsten westlichen Alliierten zu teilen.

Spätestens seit den 1990er Jahren verfügen also nicht nur Deutschland, sondern auch die USA, Großbritannien, Frankreich, die Niederlande und Kanada über die genaue Zusammensetzung von Nowitschok. Möglicherweise wurde der Kampfstoff sogar selbst hergestellt. Die Details decken auf, wie geheim die Operation damals war – und vermutlich bis heute bleiben soll. Neben Kohl waren nur weniger Geheimdienstmitarbeiter des BND und hochrangige Mitglieder der Bundeswehr eingeweiht. Über das Gift soll es nicht einmal Aktenvermerke gegeben haben, sondern lediglich „Zettel“, die nach Durchsicht sofort vernichtet wurden.

Sowohl das Kanzleramt als auch der BND haben bislang jede Stellung dazu abgelehnt.