Wladimir Putin

Wie Trump mit seinen Sanktionen Putin hilft

© Sputnik / Sergej Guneew

Die in der vorigen Woche verhängten US-Sanktionen gegen weitere russische Beamte und Unternehmer haben sowohl in Russland als auch im Westen eine neue Welle von heftigen Diskussionen ausgelöst.

Im Unterschied zu den früheren Restriktionen sind die jüngsten, die gegen Oligarchen wie Oleg Deripaska, Viktor Wekselberg usw. gerichtet sind, nach Einschätzung vieler Experten wesentlich schmerzhafter für die russische Wirtschaft.

Ich sehe die entstandene Situation aber etwas anders: Zwar haben einige Unternehmen tatsächlich einen wesentlichen Teil ihres Marktwertes verloren. Sie werden tatsächlich größere Probleme bei der Kreditierung im Westen haben; der Rubel hat an Wert gegenüber dem US-Dollar und dem Euro verloren. Aber der gesamte Schaden, besonders unter Berücksichtigung des aktuellen Konfrontationscharakters der Beziehungen zwischen Russland und dem Westen sowie des de facto schon begonnenen Wirtschaftskriegs, ist vorerst nicht allzu groß.Mehr noch: Diese Sanktionen könnten paradoxerweise auch positive Folgen für die russische Wirtschaft und Gesellschaft haben.

Erstens verweisen viele angesehene Ökonomen auf die Erfahrungen Südkoreas, Taiwans, Chinas und anderer Länder, die ihre Wirtschaft erfolgreich modernisierten, und zwar nicht mithilfe äußerer Investitionen, sondern vor allem dank Mobilisierung ihrer inneren Reserven. Diese Sanktionen könnten der russischen Wirtschaft also einen neuen Ansporn verleihen, so dass sie endlich ihre Abhängigkeit von den Rohstoffpreisen und auch von ausländischen Investitionen überwinden könnte.

Zweitens werden die russischen Finanzbehörden angesichts der Drohungen Washingtons, russische Aktiva in Übersee auf Eis zu legen, möglicherweise endlich auf die Idee kommen, ihre US-Staatsanleihen für mehr als 100 Milliarden Dollar zu verkaufen, so dass Russland die „Dollar-Zone“ verlässt. Zumal der Handelsumsatz zwischen Moskau und Washington sehr gering ist.

Drittens könnten diese Sanktionen die weitere Nationalisierung der russischen Wirtschaftselite fördern, so dass die Russen ihre Gelder und ihr Eigentum aus dem Westen wieder nach Russland befördern werden – wenn nicht aus Patriotismus, dann wenigstens aus Angst vor weiteren antirussischen Handlungen der westlichen Staaten.

Viertens müssten sich die Großkonzerne endlich entscheiden, auf wessen Seite sie stehen. Es geht immerhin um einen Wirtschaftskrieg, und da kann man nicht auf zwei Stühlen zugleich sitzen. Manche Oligarchen werden möglicherweise die Heimat verlassen. Andere werden sich vielleicht geschäftlich zurückziehen müssen. Alle anderen werden aber eine klare Position einnehmen.

Wenn dieser „Krieg ohne Regeln“ und die totale Konfrontation mit dem Westen weitergehen sollten, könnten auch einige Informationsressourcen oder soziale Gruppen, die überall als so genannte „Fünfte Kolonne“ gelten, in dieser oder jener Form „ausgeräumt“ werden.

Und schließlich ist erfreulich, dass nicht nur der Westen Investitionen in die Wirtschaft dieser oder jener Länder tätigt. Noch wichtiger ist, dass der Westen kein Monopolrecht auf neue und neueste Technologien besitzt. Also wird Russland zwar tatsächlich gewisse Schwierigkeiten bei der Modernisierung seiner Wirtschaft haben. Aber es ist auch offensichtlich, dass die aktuelle Situation wirklich einen Durchbruch und revolutionäre Veränderungen verlangt, die in Russland leider nur dann vorangebracht werden, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist.

* Die Meinung des Autors muss nicht mit dem Standpunkt der Redaktion übereinstimmen.

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