An die Gewaltorgie im Land haben wir uns inzwischen doch längst gewöhnt. Unser täglich Messerattentat gib uns heute. Dennoch haben die jüngsten Überfälle auf unschuldige Deutsche eine erkennbar neue Qualität. Seit Jahren gab es bei Kontroversen um zunehmende Gewalt in unseren Städten so etwas wie eine letzte Sicherheit – das weit entfernte „Problemviertel“ mit seinen Randgruppen, so lautete eine absichtsvoll Erleichterung bringende Erklärung. Hinzu kam als weitere Verharmlosung der „Einzeltäter“, also Einmalige, die dann wohl nie wieder kommen, also im Prinzip harmlos, bedauerliche Einzelfälle. Der gewöhnliche Deutsche sagte sich bislang, schlimm genug, aber mir kann das nicht passieren, da wohne ich nicht, die kenne ich nicht. Den Kopf tief in den Sand stecken, das aber kann man ab jetzt endgültig vergessen. Die regionale Distanz zu den nicht mehr feinen Ecken der Republik ist aufgelöst. Es kann und wird jeden treffen, ob als Opfer, Zuschauer, Anwohner oder Nachbar. Denn ab jetzt wird der Terror überall sein – besser gesagt: er ist schon dort und lacht dir frech ins Gesicht!

Von Jürgen Stark

Quelle: Mitten ins Herz: Deutschlands Normalität ist tot | Jouwatch