„Gut integrierter“Taliban vor Gericht – alle schreiben über den Täter, keiner über das Opfer!

Foto:screenshot Twitter

Der mutmaßliche Mörder und sein Opfer (Foto:screenshot Twitter)

Am 15. Januar begann der Prozess gegen den afghanischen Taliban-Kämpfer und Asylbewerber Abdol Moghadas S. vor dem Oberlandesgericht. Dem „21-jährigen“,  auch Omar oder der „Taliban vom Schnaitsee“ genannt, wirft die Bundesanwaltschaft vor, als Mitglied der Taliban in Afghanistan 2013 und 2014 an mindestens zwei Angriffen auf Regierungstruppen und amerikanische Soldaten beteiligt gewesen zu sein, bei denen mindestens ein Amerikaner gestorben ist. Obwohl es laut Staatsanwaltschaft der erste Fall, dieser Art ist, der vor einem deutschen Gericht verhandelt wird, findet er so gut wie keine mediale Aufmerksamkeit. Und das Schicksal des Opfers und seiner Angehörigen interessiert unsere Journalisten sowieso nicht.

Uns aber.

von Marilla Slominski

Es ist fast vier Jahre her, dass der 20-jährige US-Soldat Christian Jacob „Jake“ Chandler während einer Kampfpatrouille in Afghanistan im Frühjahr 2014 niedergeschossen und getötet wurde. In der 60-seitigen Anklageschrift wird sein Name des jungen Mannes mit keinem Wort erwähnt.

Die Bundesanwaltschaft wirft seinem mutmaßlichen Mörder als Mitglied der Taliban in Afghanistan 2013 und 2014 an mindestens zwei Angriffen auf Regierungstruppen und amerikanische Soldaten beteiligt gewesen zu sein, bei denen mindestens ein Amerikaner gestorben ist.

Sein mutmaßlicher Mörder Abdol Moghadas S. sei ein „gut integriert“ gewesen. Er habe große Fortschritte beim Erlernen der deutschen Sprache gemacht, anderen Flüchtlingen beim Erlernen der Sprache geholfen und sogar manchmal als Übersetzer geholfen, berichtet die Flüchtlingsaffine Jubelpresse.  Außerdem sei er in mehreren Sportvereinen ein aktives Mitglied gewesen. Der Ex-Taliban habe eine Ausbildung als Elektriker in Aussicht gehabt, berichtet sein deutscher Helfer Wolfgang Bachleitner.

Es war der 28.April 2014, als der Mutter des jungen US-Soldaten die Todesnachricht überbracht wurde: „Ich war noch nie in meinem Leben so schockiert und sprachlos, als ich das Klopfen an der Tür hörte. Das ist der Moment, den jede Familie eines Militärangehörigen am meisten fürchtet und verzweifelt betet, dass sie ihn nie erleben muss“, erzählt Rhonda Beazley dem amerikanischen Blog Stars and Stripes.

„Mama, hier sind Leute in blauen Uniformen!“

Die Krankenschwester, die sich um Babys mit angeborenen Herzfehlern kümmert, bekam auf der Arbeit einen Anruf ihrer damals elfjährigen Tochter, die ihr sagte, dass Leute in blauen Uniformen im Haus wären. als sie zu Hause eintraf, warteten schon ein Feldwebel und ein Militärpfarrer auf sie.

Sie teilten ihr mit, dass die Einheit ihres Sohnes Jake in der Provinz Logar angegriffen und er getötet worden war.

„Ich habe sie angeschrien, dass sie sich geirrt haben, dass mein Sohn unmöglich tot sein könnte, dass es unmöglich ist, dass das passieren könnte. Ich saß nur auf der Treppe vor unserer Haustür und hielt meine Tochter und wir beide weinten“, erinnert sie sich.

Noch am Morgen hatte sie via Facebook und Skype mit ihm gesprochen. In dem letzten Gespräch sei es um Banales gegangen, sie habe ihm von den neuen Volleyball-Schuhen erzählt, die seine Schwester Katie brauchte.

Seine Mutter hatte Einsicht in den unveröffentlichten Untersuchungsbericht der Armee erhalten.

„Sie waren auf einer Erkundungsmission in der Nähe der Stadt Baraki Barak in der Provinz Wardak“ sagt Rhonda. „Mein Sohn und ein Kamerad hatten ihren Truck verlassen und sind über einen kleinen Hügel in Richtung eines Dorfes gelaufen, als sie überfallen wurden.“ Beide Soldaten wurden angeschossen. Chandler traf eine Kugel in die linke Brust, sagte Beazley. Auf der Basis versuchten Ärzte noch alles um den 20-Jährigen zu retten, aber die Verletzungen seien zu schwer gewesen, so seine Mutter.

Seine Kameraden und sein Hauptmann trauern bis heute um ihn. Er vermeide es immer noch, darüber zu sprechen. Der Verlust von Chandler sei der schwerste und schlimmste Tag ihres Lebens gewesen, erklärt sein Zugführer, Captain John Swanson. „Es ist ein Loch, gefüllt mit Erinnerungen und was-wäre-wenn´s“, so Swanson.

Flüchtlingshelfer können es nicht glauben – „Omar“ hat sich doch so gut eingelebt!

Am frühen Morgen des 17.Februar 2017 wurde der afghanische Taliban-„Flüchtling“Abdol Moghadas S. in dem bayrischen Ort Schnaitsee verhaftet. Hier in der 3500-Seelen-Gemeinde hatte es sich der mutmaßliche Mörder unterstützt vom 30-köpfgen Helferkreis Schnaitsee inzwischen gemütlich gemacht. Er hätte Volleyball gespielt und Trophäen im Kickboxen im nahegelegenen Traunreut gewonnen, berichtet die SZ. Sein Flüchtlingshelfer Wolfgang Bachleitner habe ein Interview mit ihnen abgelehnt, so der US-Blog Stars and Stripes.

Der Bürgermeister von Schnaitsee habe den „Taliban-Flüchtling“ zwar persönlich nicht kennengelernt, habe aber gehört, dass der offen über seine  Vergangenheit gesprochen habe und vor den Taliban geflohen sei, erklärt der Bürgermeister gegenüber Stars and Stripes.

In seinem Asylverfahren  gab Abdol Moghadas S. an, sich mit 16 Jahren den Taliban angeschlossen zu haben. In seiner Anhörung berichtete er auch detailliert von der Attacke auf die US-Soldaten. Wenig später habe er für den afghanischen Geheimdienst gearbeitet. Als die Taliban misstrauisch wurden, sei er geflohen.

Foto:screenshot Twitter

Der mutmaßliche Mörder und sein Opfer (Foto:screenshot Twitter)

Der nun angeblich 21-Jährige, der auf einem veröffentlichten Foto wesentlich älter wirkt, fällt unter das Jugendstrafrecht. Im Falle einer Verurteilung drohen ihm 10 Jahre Jugendstrafe. Eine Abschiebung muss der inzwischen abgelehnte Asylbewerber und Ex-Taliban Abdol Moghadas S. nicht fürchten. In Afghanistan würde ihm die Todesstrafe drohen. Er und seine Helfer kämpfen weiterhin um die Anerkennung seines Asylantrages. Das Verfahren, für das neun Verhandlungstage angesetzt sind, wird aus Rücksicht auf die „Minderjährigkeit“ des Angeklagten zum Tatzeitpunkt, unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführt

Die Mutter des getöteten jungen US-Soldaten Jake wünscht sich im fernen Amerika nur Gerechtigkeit. „Ich habe vor einiger Zeit aufgehört, wütend zu sein. Ich habe eingesehen, dass das nichts bringt. Es hätte mich nur zerrissen“, erklärt Rhonda Beazley.

Beitrag teilen....Share on FacebookShare on VKShare on Google+Tweet about this on Twitter

One thought on “JOUWATCH : „Gut integrierter“Taliban vor Gericht – alle schreiben über den Täter, keiner über das Opfer!

  • Wir finden Abdol Moghadas S. sehr sympathisch. Durch den unfreundlichen Umgang mit ihm wirkt er u. U. vorgealtert.
    Christian Jacob Chandler und Abdol Moghadas S. hätten sich unter anderen Umständen sicher gut verstanden.

Comments are closed.