Gertrud Höhler: Merkel verschweigt ihre Ziele

Foto: Imago

Foto: Imago

Auf der Seite von Eva Herman gibt es Auszüge zu lesen aus einem Vortrag, den Gertrud Höhler vor kurzem gehalten hat – und in dem sie gnadenlos mit Angela Merkel und ihrer „Politik“ abrechnet. Höhler ist Literaturwissenschaftlerin und Politikberaterin, stand einst der CDU nahe und veröffentlichte 2012 das Buch „Die Patin – Wie Angela Merkel Deutschland umbaut“.

von Max Erdinger

Die gut untermauerte, zentrale These Höhlers geht so: Merkel verschweigt ihre Ziele, weil sie genau weiß, daß ihr niemand folgen würde, sollte sie offenbaren, was sie tatsächlich will. Mit anderen Worten: Angela Merkel nutzt ihr Amt als Bundeskanzlerin, um alle hinters Licht zu führen.

Diesen Eindruck haben in den letzten Jahren immer mehr Deutsche gewonnen. Allerdings haben die meisten nicht den Einblick ins System, wie ihn Gertrud Höhler hat. Frau Höhler hat daher nicht nur den Eindruck, sondern starke Indizien.

Angela Merkel ist berüchtigt für ihre einsamen Beschlüsse. Sie erklärt sich nicht und beantwortet Nachfragen äußerst ungern. Dabei kommt ihr eine Eigenschaft des deutschen Volkes entgegen, die Höhler beschreibt als eine Sehnsucht nach „Aufschub und Nichtwissen“. Die wiederum rühre daher, daß die Deutschen nach Jahrzehnten permanenter Konfrontation mit ihrer „Schuld“ die Ohren auf Durchzug gestellt hätten, nichts mehr sehen und hören – , sondern lediglich noch in Ruhe gelassen werden wollen. Dadurch billige man Merkel praktisch eine Allmacht zu, die sie unter anderen Umständen keinesfalls behaupten könnte.

Aber nicht nur diese kollektive Eigenschaft des deutschen Volkes sei es, die es Angela Merkel erlaubt, weitgehend ungestört ihre destruktiven Kreise zu ziehen, sondern auch die Erfahrung ihrer Partei- und Kabinettskollegen, daß allzu smartes Nachfragen zu einem schnellen Karriereende führt. Im Umgang mit ihren Kritikern kennt Merkel bekanntlich keine Skrupel. Etwas anderes kommt hinzu: Merkel hat ein Faible für den sog. Präferenzutilitarismus des australischen Philosphen Peter Singer. Sehr verkürzt ausgedrückt, vertritt Singers Präferenzutilitarismus die These, daß alles menschliche Denken der Rechtfertigung des Wollens dient.

Vor diesem Hintergrund ist folgende Beobachtung Höhlers interessant: „Man kann die Entgrenzung, das Verschwimmen der Parteien, Bündnisse mit Menschen, mit Staatsführern, deren Grundverhalten unserem Grundgesetz in zumindest allen wichtigen Paragraphen widerspricht, die kann man nur vertreten, wenn man sagt: Ich war ohnehin mit einem disponiblen Wertekonzept unterwegs. Frau Merkel ist mit einem disponiblen Werteraster auf die Reise gegangen„.

Wer alte Merkel-Videos aus dem Jahre 2003 kennt – und wie sie sich damals zu Fragen der Steuerung und der Begrenzung von Einwanderung geäußert hat – , wie sie darüber hinaus diejenigen „rund machte“, die ihre damaligen Positionen in die Nähe zum Rechtsextremismus rückten – wer ihre Bewunderung für Singer kennt und sich überlegt, wie sie sich heute äußert, der kommt nicht umhin, zu konstatieren, daß Merkel für überhaupt nichts steht, was irgendwie mit Werten zu tun hätte – und daß ihr einziges, offensichtliches Ziel sein muß, an der Macht zu bleiben, um das durchzusetzen, was sie niemandem erzählen darf. Dabei dürfte es sich um die Abschaffung Deutschlands als Nation handeln. Sie weiß, daß sie dafür in Deutschland niemals eine Mehrheit hinter sich scharen könnte. Wenn das zutrifft, dann ist Angela Merkel ein gemeingefährlicher Diktator.

In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gab es dieser Tage, selten genug, einen sehr lesenswerten Artikel von Jochen Buchsteiner zu den behaupteten „gläsernen Decken“, die es in Wirtschaft und Politik angeblich immer noch gibt, um Frauen daran zu hindern, hohe und höchste Positionen zu erreichen. Anlaß für diesen Artikel war die Behauptung der Philosophin Beate Rössler im Deutschlandfunk, daß mit der neuen CDU-Generalsekretärin Kramp-Karrenbauer „nur wieder die traditionelle Hetero-Frau eine Chance bekommen hat und dies die Diskriminierung von sexuellen Minderheiten nur verstärkt“. Buchsteiner zählt dann eine ganze Menge von Frauen auf, die es in der Politik international in höchste Ämter geschafft haben und läßt durchblicken, daß ihm das „Gedöns“ (Gerhard Schröder) der Frauen allmählich den letzten Nerv raubt. Das geht nicht nur Jochen Buchsteiner so.

Ganz unabhängig von Höhler, Herman oder Buchsteiner regt meinereiner aber an, sich ernsthaft mit dem „Undenkbaren“ zu beschäftigen, ein gewaltiges Dogma in frage zu stellen – und tabulos darüber nachzudenken, ob es nicht einen generellen, kulturell bedingten Unterschied zwischen Männern und Frauen gibt, der Frauen hinsichtlich ihrer Befähigung zur Übernahme von Verantwortung in öffentlichen Ämtern disqualifiziert. Nicht im Einzelfall, aber generell. Oder anders ausgedrückt: Ist es möglich, daß Männer zur Vertretung öffentlicher Interessen generell besser geeignet sind als Frauen? Mir ist klar, daß sich in den Meisten alles gegen eine solche Überlegung sträubt.

Aber gemach. Es gibt tatsächlich ein paar fundamentale Unterschiede, die allesamt kultureller Natur sind. Die Regelung öffentlicher Angelegenheiten erfordert erstens, sich in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen. Man sprach zum Beispiel von den Staatsdienern. Männer ließen und lassen ihr Leben auf dem „Feld der Ehre“. Sie waren zweitens „Familienoberhäupter“ und empfanden das keineswegs als ein Privileg, sondern als ihre Pflicht. Privilegien, die sie hatten, waren sozusagen der Ausgleich für die Pflicht, den eigenen Kopf hinzuhalten für alles, was in der Familie im Bezug zur Außenwelt verbockt worden ist. Männer waren Kämpfer. Weil sie Kämpfer gewesen sind und als solche auch zu Verlierern werden konnten, mussten sie das Konzept der Fairness entwickeln. Noch in meiner Kindheit galt ein Junge als miserabler Lump, der einem unterlegenen Verlierer, der sozusagen die „Weiße Flagge“ gehisst hatte, nach dessen Unterordnung noch eine verpasst hätte. Es galt: Kämpfen ja, gewinnen auch, aber dem Unterlegenen dann, wenn der Kampf entschieden war, die Hand zu reichen und ihm wieder auf die Beine zu helfen. So wurden Rangordnungen festgelegt.

Alles das ist Frauen weitgehend fremd. Ein Mann mit einem Begriff von Fairness bekommt das Kotzen, wenn er Frauen miteinander „kämpfen“ sieht. Weil er sieht, daß es dabei nie um die Klärung einer Machtfrage und den anschließenden Friedensschluß geht, sondern um Vernichtung. Ich gebe das gerne zu: Meinereiner hält miteinander kämpfende Frauen für ein Schreckensbild skrupelloser Kleingeistigkeit, für das Unzivilisierteste, was er sich überhaupt vorstellen kann. Einfach widerlich.

Die These ist also folgende: Frauen haben niemals gelernt, den Kampf in zivilisierte Formen zu bringen, so weit Kampf überhaupt in zivilisierte Formen zu bringen ist. Das gilt auch für ihren Kampf gegen Männer. Als körperlich Unterlegene hatten sie in der direkten Konfrontation in aller Regel keinen Blumentopf zu gewinnen und mussten sich daher anderer Strategien bedienen. Das vergiftete Mahl, das mit dem süßesten Lächeln serviert wird – der Giftmord also – ist für meineneinen der typische Frauenmord. Wo Kraft nicht vorhanden ist, braucht es List und Tücke, um zu gewinnen.

Zurück zu Merkel. Als Mann verbindet man mit dem Wort „Bundeskanzler“ als erstes Begriffe wie „Bürde des Amtes“, „Verantwortung“, „sich in den Dienst stellen“ und ähnliches. Daß Frauen heute in höchste Ämter gewählt werden können, ist aber nicht dem Gedanken geschuldet, daß auch Frauen Verantwortung übernehmen – und sich in den Dienst am Vaterland stellen sollen, sondern dem Gedanken, daß sie das dürfen sollen. Und das ist schon ein gewaltiger Unterschied. Im ersteren Fall funktioniert beispielsweise ein Bismarck im Sinne des – und für das System – im zweiteren Fall funktioniert das System für Merkel. Sie darf heute, was Männer traditionell mussten. Das gilt in dieser Grundsätzlichkeit nicht nur für Merkel, sondern eigentlich für alle Frauen in öffentlichen Ämtern. Dadurch, daß Frauen erst relativ kurz „gleichberechtigt“ sind, begreifen sich Aufsteigerfrauen zumeist als Personen, die es geschafft haben, obwohl sie Frauen sind. Für Männer war seit jeher selbstverständlich, daß sie es geschafft haben, weil sie Männer sind. Das obwohl kam bei Männern zum Tragen, wenn sie Versager wurden. Sie wurden Versager, obwohl sie Männer sind. Das ist ein fundamentaler Unterschied.

Männer mussten seit jeher Karriere machen und möglichst gut Geld verdienen, damit sie „eine Familie ernähren können“. Von Frauen hat das bis zum heutigen Tage noch niemand verlangt. Frauen sind heute vom Patriarchat „befreit“ und sollen Karriere machen und Geld verdienen, damit sie vom Manne „unabhängig“ sind. Dergleichen Beispiele gibt es noch viel mehr. Auch nach fünfzig Jahren Hardcore-Feminismus, Frauenbewegung, Emanzipation, Männerbashing und „Gedöns“ gilt immer noch: Der Chefarzt heiratet die Krankenschwester, niemals aber die Chefärztin den Krankenpfleger. Zu allem Überfluß zeigt sich alle Welt sogar heute noch bestürzt, wenn sich mächtige und erfolgreiche Frauen darüber beklagen, daß sie keine Männer mehr finden. Daß die Luft in der Höhe einfach für alle dünn wird, kommt niemandem in den Sinn.

Abseits aller Überlegungen zum Wertevakuum, das Merkel persönlich verkörpert, ist es das Bild der grinsenden GroKo-Frauen vom letzten CDU-Bundesparteitag, das mich viel mehr alarmiert, als die Person Merkel alleine. Es zeigt meiner Überzeugung nach einen unerkannten, weil restlos tabuisierten Grundirrtum. Auf dem Bild sind keine Dienerinnen der res publica zu sehen, sondern selbstzufriedene, reichlich alberne Glucken, die sich mordsmäßig etwas darauf einbilden, sich das System zu ihrem eigenen Wohl und Frommen zunutze gemacht zu haben. Mein Eindruck relativiert sich lediglich etwas dadurch, als daß mir ebenso klar ist: Die Männer, die einem solchen Selbstverständnis und einem solchen Verständnis von „Dienst“ diametral gegenüber gestellt werden könnten als Alternative, sind weitgehend ausgestorben, respektive zu sog. „Frauenverstehern“ degeneriert, die sich lieber nachsagen lassen würden, daß sie im Geiste syphillisgeschädigt sind, als daß sie die Behauptung für sich gelten lassen würden, sie hätten ein gestörtes Vertrauen in weibliche Fähigkeiten.

Ich wage also zu behaupten, daß die Erholung Deutschlands vom Desaster Merkel eher nicht von einer Kramp-Karrenbauer, einer Nahles, einer Schwesig, einer Bär oder sonst einer der Frauen dieses Typs zu erwarten ist. Allenfalls kann man auf graduelle Verbesserungen hoffen. Ich behaupte: Um Deutschland aus dem Schlamassel wieder herauszuholen, in welchem es aufgrund der zivilreligiösen Irrtümer von Gewohnheitslinken steckt, braucht es einen aufopferungsvollen, verantwortungsbewußten und stockkonservativen Mann, einen großherzigen, klugen, durchsetzungsfähigen und souveränen Löwen, der sich nicht mit seiner Stellung schmückt, sondern der die Stellung schmückt. Es bräuchte also jemanden, den es nur noch sehr selten gibt.

Daß weder Gertrud Höhler noch Eva Herman oder Angela Merkel meine Ansichten teilen dürften, setze ich voraus. Aber es ist mir logischerweise völlig schnuppe, was Frauen von meinen Ansichten halten, weil: Wäre es anders, würde sich die Katze zwangsläufig selbst in den Schwanz beißen.

Beitrag teilen....Share on FacebookShare on VKShare on Google+Tweet about this on Twitter