In eigener Sache: Mit der Verhandlung am Landgericht ist dieser Prozeßweg zu Ende, ich habe meine Berufung zurückgezogen. Die Richterin hat angedeutet, daß ein Freispruch „praktisch nicht möglich ist“ und mir einen Deal angeboten. Wenn ich meine Berufung zurückziehe und das Urteil des Amtsgerichts akzeptiere, zieht die Staatsanwaltschaft ihre Berufung mit dem Ziel einer höheren Strafe ebenfalls zurück. Außerdem – und das gab den Ausschlag – würden die beiden noch ausstehenden Anzeigen nach §154 StPO eingestellt. Ich gebe zu, das war eine Situation, in der jede Entscheidung nur falsch sein konnte. In Anbetracht der Endlichkeit meiner Nervenkraft und Belastungsfähigkeit habe ich mich auf den Deal eingelassen, also die Strafe von 300 Tagessätzen zu je 10 Euro akzeptiert.

Ein Anrufer hat dafür einen guten Vergleich gefunden: Wenn eine Stadt belagert wird, ohne Hoffnung auf Entsatz, dann hat sie die Wahl, sich zu ergeben und weitgehend verschont zu bleiben, oder bis zum bitteren Ende zu kämpfen, ausgehungert zu werden und am Ende geplündert und gebrandschatzt. Ein Besucher des Prozesses hat Don Quichotte bemüht: Es sei sinnlos, gegen Windmühlen zu kämpfen. Ganz wohl fühle ich mich bei dem Ergebnis nicht, weshalb ich das englische „Deal“ benutze, das neben „Geschäft“ auch mit „fauler Kompromiß“ oder „Kuhhandel“ übersetzt werden kann. Wie auch immer, die Entscheidung ist gefallen.

Ich möchte an dieser Stelle allen Lesern danken, die mir für diesen Prozeß ihre guten Wünsche ausgedrückt und mich moralisch unterstützt haben. Besonders danken möchte ich meinen Anwälten und meiner Hofastrologin, die vorhergesagt hat, daß es auf einen Deal hinauslaufen würde.

Einen faulen Kompromiß hat es auch bei der Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig gegeben: Kommunen dürfen Fahrverbote für Diesel-Pkw verhängen. Es hat Zeiten gegeben, da wurden Diesel als „besonders sauber“ und „umweltfreundlich“ beworben. Durch ihren niedrigeren Verbrauch waren Dieselfahrzeuge nötig, um den „Flottenausstoß“ der Autobauer beim Kohlendioxid zu senken. Jetzt ist der Diesel eine Dreckschleuder und ein Umweltschwein. Mein Auto ist inzwischen volljährig, also 18 Jahre alt, doch zum Glück ein Benziner. Von einem robusten, langlebigen Diesel müßte ich mich wohl verabschieden, der wäre damals „Euro 3“ gewesen.

Natürlich geht es dabei um saubere Luft, und das Fernsehen zeigt uns gerne Leute, die an belebten Durchgangsstraßen wohnen und Atemwegserkrankungen haben. Die andere Seite ist die Autoindustrie. Nach der offiziellen Statistik hängt in Merkeldeutschland jeder siebte Arbeitsplatz vom Automobilbau ab. Wir haben den Dieselmotor nicht nur erfunden, wir haben die besten Dieselmotoren der Welt gebaut. Jetzt ist der Dieselmotor in Verruf geraten. Wer ein älteres, eigentlich noch bestens im Schuß befindliches Auto besitzt, muß in Zukunft mit Fahrverboten rechnen. Der Krieg gegen das Auto hat begonnen, die Verlierer werden die Arbeiter sein, die diese Autos zusammenbauen. Sägen wir also munter drauflos, der Ast muß fallen – auch wenn wir selbst darauf sitzen.

16 Jahre Merkel werden schlimmer als 30 Jahre Krieg.