Wladimir Putin. Bild: Kreml
Wladimir Putin. Bild: Kreml

Journalistenmörder Putin? Die Wahrheit sieht anders aus

Die Fake-Mord-Story um den russischen Journalisten Babchenko in der Ukraine wirft wieder die Frage nach den Journalistenmorden in Russland auf den Tisch, für die Präsident Putin verantwortlich gemacht wird. Doch was ist die Wahrheit?

Von Marco Maier

Ja, in Russland werden immer noch Journalisten ermordet – aus den unterschiedlichsten Gründen. Doch in den westlichen Medien stellt man es so dar, als ob der russische Präsident, Wladimir Putin, der Auftraggeber für all diese Morde sei. „Journalistenmörder Putin“ kommt eben beim Zielpublikum immer gut an – auch wenn es nicht stimmt.

Alles in allem wurden laut dem „Committee to Protect Journalists“ seit dem Jahr 1993 in Russland 58 Journalisten getötet. Eine stattliche Summe und jeder ermordete Journalist ist einer zu viel, das ganz gewiss. Doch man sollte sich die in dieser Grafik von Statista aufbereiteten Zahlen einmal genauer ansehen:

Getötete Journalisten Russland

Fakt ist zuerst einmal der Umstand, dass dreißig der 58 Journalisten ermordet wurden, bevor Wladimir Putin ins Amt gewählt wurde – im Schnitt waren es fünf pro Jahr. In den 18 darauf folgenden Jahren unter Putin waren es hingegen „nur“ knapp 1,6 pro Jahr. In den Jahren 2010, 2014, 2015 und 2016 gab es sogar nicht einen einzigen Mord an einem Journalisten.

Dann sollte man zusätzlich noch bedenken: Wie viele dieser Morde wurden vom kriminellen Milieu rund um die russische Mafia verübt? Wie viele Journalisten mussten ihr Leben lassen, weil sie irgendwelchen Oligarchen und deren Geschäften zu nahe kamen? Das sind Fragen, die man sich hierbei auf jeden Fall stellen sollte.

Zu behaupten, Putin hätte all diese Menschen auf dem Gewissen, ist einfach nur eine infame Unterstellung, um den Ruf des russischen Präsidenten zu ruinieren. Nicht mehr und nicht weniger. Und es ist auch nicht seine Schuld, dass offenbar einige der Mörder ohne Strafe davongekommen sind, weil er sich nicht in die Belange der unabhängigen Justiz einmischen darf, sofern es sich nicht um nachgewiesenermaßen korrupte Richter handelt, wofür dann der Justizminister verantwortlich wäre.