Aktien von Facebook, Netflix und Co. spielen an der Börse verrückt
Am Mittwoch rutschten die Kurse vieler Technologieaktien an den US-Börsen unerwartet ins Minus. Lange links liegen gelassene Werte, etwa solche von Detailhändlern, legten hingegen zu. Ein Anlass für die Branchenrotation ist nicht ersichtlich.
Christiane Hanna Henkel, New York
Zwei Tage lang war Jeff Bezos, der 16 Prozent am Online-Händler und IT-Konzern hält, dank dem kletternden Amazon-Aktienkurs mehr als 100 Mrd. $ wert – nach dem Kurssturz am Mittwoch waren es «nur» noch 98 Mrd. $. (Bild: Mike Segar / Reuters)

Zwei Tage lang war Jeff Bezos, der 16 Prozent am Online-Händler und IT-Konzern hält, dank dem kletternden Amazon-Aktienkurs mehr als 100 Mrd. $ wert – nach dem Kurssturz am Mittwoch waren es «nur» noch 98 Mrd. $. (Bild: Mike Segar / Reuters)

Die amerikanischen Technologieaktien kannten in diesem Jahr bisher nur eine Richtung, und die zeigte nach oben. Dass die Stimmung aber abrupt umschlagen kann, das mussten die Anleger am Mittwoch mit ansehen: Die Facebook-Aktien etwa gingen mit einem Minus von 4% aus dem Handel, jene von Apple und Alphabet mit einem Minus von 2%, die Netflix-Aktien gaben um 6% nach und jene des Chip-Herstellers Nvidia gar um 7%. Die Amazon-Aktien verloren 3%. Der technologielastige Nasdaq Composite schloss nach kräftigen Verlusten schliesslich mit einem moderaten Minus von 1,3%, und der enger gefasste Nasdaq 100 beendete den Handel 1,7% tiefer.

Atemholen nach furiosem Kursfeuerwerk

Einen Anlass für die Kurskorrekturen vom Mittwoch gab es eigentlich nicht. Die Berichtssaison für die Geschäftszahlen des dritten Quartals liegt schon einige Wochen zurück, und die nächste Berichtssaison beginnt erst im Januar. Die jüngsten Konjunkturdaten für die USA lagen mehrheitlich über den Erwartungen. Möglicherweise holten die Investoren am Mittwoch lediglich einmal gründlich Atem.

Die Technologieaktien sind in diesem Jahr in einem atemberaubenden Tempo nach oben geschossen. Die Netflix-Titel haben seit Jahresanfang um 58% zugelegt, die Facebook-Aktien um 52%, jene von Apple um 46% und die Nvidia-Valoren gar um 93%. Amazon hat erst vor zwei Tagen ein Rekordniveau erreicht, nach einem Aufstieg seit Jahresanfang um 54%. Der Nasdaq Composite liegt auf das ganze Jahr gesehen mit 26% und der Nasdaq 100 mit 28% im Plus.

Während sich die Investoren am Mittwoch von den Tech-Aktien distanzierten, griffen sie beherzt bei Aktien anderer Branchen zu. Am Mittwoch legten vor allem jene Aktien zu, die in den letzten Monaten wegen des Aufstiegs des Online-Handels und besonders jenes von Amazon unter Druck geraten waren: Die Valoren der Kaufhauskette Macy’s etwa stiegen um 8%, jene des Detailhändlers Target um 9% und die Aktien des Sportartikelhändlers Foot Locker und jene von Bed Bath & Beyond jeweils um 5%.

Korrektur von Überreaktionen

Möglicherweise stand hinter den Verlusten im Tech-Sektor und den Kursgewinnen im Detailhandels-Sektor die Überlegung, dass man bei Ersterem bisher wohl zu euphorisch und bei Letzterem wohl zu pessimistisch war und in diesem Jahr schlicht überreagiert hat. Auch mag sich der eine oder andere Investor von den Technologieaktien abgewendet haben, weil diese am wenigsten von der derzeit im Kongress verhandelten Steuerreform mit einer Senkung der Körperschaftssteuer profitieren würden. Die im Aktienindex S&P 500 enthaltenen Technologieunternehmen haben vor allem dank der Verschiebung von Gewinnen ins Ausland einen mit 18,5% bereits relativ tiefen effektiven Steuersatz.

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